Besuch

Man kann uns sofern Platz oder Genügsamkeit da ist nach Absprache besuchen oder auch probewohnen. Demnächst oder auf Nachfrage mehr zu diesem Thema.

Anfahrt

Tipps zur Selbstorientierung diesbezüglich:

Zielkoordinaten für Navigationssysteme: +50° 33' 43.20" / 50.562 Nördliche Breite, +11° 58' 28.20" / 11.9745 Östliche Länge


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Zum ersten Mal allein und ohne Verpflichtungen an einem fremden Ort

Als Autist, der noch nicht einmal sämtliche Straßen der Stadt kennt, in der er lebt, war die Unternehmung "Autistenkommune besuchen" eine risikoreiche Angelegenheit. Für Ortsfremde allerdings erfolgten in vorhergehender monatelanger Planung diverse Rücksprachen mit Bewohner der Autistenkommune, die nicht nur eine exakte Wegbeschreibung vom Bahnhof hin zu ihrem Domizil von sich aus abgaben, sondern auch bei der Auswahl der am besten geeigneten Bahnverbindungen behilflich waren. Es bestand sogar die Möglichkeit, nach vorheriger Absprache, vom Bahnhof abgeholt zu werden. Da ich jedoch bis dahin bereits so viele neue Stationen hinter mich gebracht hätte, wollte ich den Rest auch noch im Alleingang bewältigen. Das war - dank des kleinen Ortes, der ab dem Bahnhof durchquert werden musste, der sehr guten Wegbeschreibung und der Ausschilderung von Ausfahrten kein Problem. Dadurch, dass die Autistenkommune sich in einem kleinen Dorf befindet, musste nach Ortsausgang lediglich einer Straße gefolgt werden, die wie eine ruhige Seitenstraße aus meiner Wohngegend auf mich wirkte.

Im Dorf selbst ist die Autistenkommune leicht zu finden, da sie zum einen an der Durchfahrtstraße liegt (welche lediglich zu den wie fast überall üblichen Stoßzeiten des Berufsverkehrs etwas stärker frequentiert wird) und zum anderen gegenüber der Kirche. Auch aus größerer Entfernung ist viertelstündlich der metallisch-dumpf scheppernde Klang ihrer Glocken zu vernehmen, sodass dieses eine zusätzliche Orientierungshilfe darstellen kann. Unverkennbar an der Außenerscheinung der Autistenkommune ist der überproportional groß wirkende Schlot.

Innerhalb des Gebäudes sind die Räumlichkeiten insgesamt großzügig abgemessen. Sobald ich mich in dem Gebäude befand, wirkte die dortige Stille entspannend auf mich. Von meiner privaten Wohnung kannte ich dieses noch nicht, da weder das Haus, noch die Umwelt jemals so ruhig sind. Zwar bestehen auch dort manchmal Zeiträume von mehreren Sekunden bis einigen Minuten, in denen alles ruhig ist, was jedoch keinesfalls mit dem Erlebnis in der Autistenkommune zu vergleichen ist.

Auf die Regelung, dass die Außentüren abgeschlossen gehalten werden, wurde ich nach meiner Ankunft hingewiesen und auch über einen "Notausgang", falls ich dennoch das Gebäude verlassen wollte, ohne nach einem Schlüssel fragen zu müssen. Da dieses meinem eigenen Sicherheitsbedürfnis entsprach, traf dieses bei mir auf vollstes Verständnis.

Mit Bewegungsfreudigen sind Unternehmungen in der Gegend wie Wanderungen in umliegende Orte, Fahrradtouren, Ortserkundungen und auch nächtliche Spaziergänge möglich. Was mich nachts dort sehr beeindruckte, war das Band der Milchstraße, von dem ich an meinem Wohnort noch nicht einmal einen Bruchteil wahrnehmen kann.

Die Schlafmöglichkeiten für Gäste in der Autistenkommune sind adäquat, wenn man kein 5-Sterne-Hotel gewohnt ist und auch nicht derartige Ansprüche hegt. Auch steht den eigenen Wünschen nichts entgegen: So konnte ich auf einer Matratze im großen Saal campieren, in dem sonst Gemeinschaftsaktivitäten wie Tischtennis, Federball, ruhiges Beisammensein in der "Sitzecke", etc. möglich sind.

Besonders gut fand ich es, mich durch dieses Angebot meiner eigenen "Spezies" wieder einmal leibhaftig gegenüber sehen zu können. Die Vorteile einer Kommune für Autisten bestehen darin, Unterstützung auf kurzen Wegen je nach Bereitschaft oder eventuell Schwankungen unterliegenden Fähigkeiten zu erhalten, in Gemeinschaft leben zu können unter Gleichen, an Aktivitäten teilzunehmen, die man selbst vielleicht nicht alleine in die Tat umsetzen würde und sich wie in gewohnter Weise auch komplett zurückziehen zu können in sein eigenes "Reich", ohne dass dieses durch andere (jederzeit) betreten würde. Was ich als Städter jedoch nicht vorher bedachte, war die Wirkung, mit der ich nach einer Woche der Ruhe zurück an meinem Wohnort quasi erschlagen wurde. Ich benötigte Wochen, um mich wieder in den Lärm, die optischen Reize, Gerüche und die Hektik "einfinden" zu können. Meinen Satz "Ich bin es gewohnt in einer Stadt zu leben" musste ich danach schnell revidieren: Ich bin es nicht gewohnt. Schreckliche Erkenntnis. Die Autistenkommune als Lebensprojekt konnte mich überzeugen, auch wenn dort noch einiges zu erledigen und gestalten ist, um aus einer ehemaligen, sehr großen Gaststätte einen Seinsraum für Autisten zu machen, der dem Namen "Alter Rasthof" gerecht wird [Anmerkung der Redaktion: Am Haus befindet sich noch ein Schild, auf dem einer dieser Klischeedorfkneipennamen steht. Vor Ort nicht davon irritieren lassen.]. Jeder Einzelne kann daran mitwirken.

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Anschrift: Wohnprojekt
Hausnr. 15
07952 Ranspach
Vogtland/Deutschland
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